Projektpause

Meine liebe Kollegin, mit der ich normalerweise zusammen im Magazin arbeite, ist für ein paar Tage nicht anwesend, daher durfte ich in der Zwischenzeit einige der Bestellaufträge bearbeiten.

Von einem der Bibliothekare aus der Abteilung „Collection Management“ habe ich eine kurze Einweisung in das System OASIS™ (Online Acquisitions and Selection Information System) erhalten, welcher mich mit allen Funktionen etwas vertraut gemacht hat. Das Bibliothekspersonal hat selbst erst vor kurzem angefangen damit zu arbeiten, und weil sie es selbst noch nicht kannten, haben mir viele Kollegen immer mal wieder über die Schulter geguckt.

Die Arbeitsabläufe waren an sich fast immer identisch, da der Großteil meiner Liste aus physischen Medien bestand, die aus den Mitteln von „Sprache, Literatur und Kultur“ finanziert wurden und ich immer das Standard-Darlehen der Hauptbibliothek auswählen musste. Etwas komplizierter wurde es nur bei den digitalen Medien, bei denen meine Kollegen selbst noch nachrecherchieren mussten welche Lizenzen erwerbt werde sollen. Als ich meine Liste dann abgearbeitet habe, musste ich zunächst im System einen eigenen Ordner für meine Bestellaufträge erstellen, um sie darunter zu speichern – am Ende des Tages wurden sie dann alle versendet.

Mit dem Mitarbeiter, der mich bei der Aufgabe unterstützt hat, bin ich auch etwas ins Gespräch gekommen, und er hat mir von seinem bisher einzigen Trip nach Berlin erzählt – 1989, nur sechs Wochen vor dem Mauerfall.  Für jemanden wie mich, der die Trennung Deutschlands nur durch Geschichten von den eigenen Verwandten und aus dem Schulunterricht kennt, war es sehr interessant mal die Erlebnisse aus Sicht eines Touristen  zu hören. Er kann sich selbst nicht mehr daran erinnern, wie es seine Frau geschafft hatte, dass sie damals Berlin besichtigen konnten. Zu diesem Zeitpunkt erlaubte Ost-Deutschland neben ausländischen Touristen nur Diplomaten der Alliierten und Militärpersonal den Zutritt zum sowjetischen Sektor. Sie wurden zuvor von den Wachen der Alliierten registriert und ein Trupp von sowjetischen Wachpersonal hat sie während der Tour stets begleitet. Er berichtete wie fasziniert er von dem gewaltigen Unterschied zwischen Ost- und Westberlin war –  kurz nachdem er Checkpoint Charlie passierte, war alles vom Verfall geprägt und schien langsam zu verrotten.  Er hat in den nächsten Jahren vor ein weiters mal nach Berlin zu reisen, um zu sehen wie die Stadt – besonders der ehemalige sowjetischen Sektor – heute aussieht.

Überhaupt scheinen (zumindest hier in der James-Hardiman-Library) die Menschen sehr gerne und oft zu verreisen – was jetzt im Sommer bei den niedrigen Benutzerzahl besonders auffällt, da recht viele Kollegen diese Zeit nutzen, um Urlaub zu machen. Besonders mittel- und südeuropäische Länder, sowie die Vereinigten Staaten und Kanada gehören hier zu den beliebtesten Reisezielen. Von jedem Mitarbeiter wird mir immer als Hauptgrund das stets milde und regnerische Wetter angegeben – im Winter gibt es nie Schnee, im Sommer werden es nur höchstens 20 Grad und man muss jeden Tag mit einer Regendusche rechnen, was mich zugegebenermaßen auch langsam anfängt zu stören.

Sobald meine Projektpartnerin wiederkommt, werden wir dieses mal in das Außenmagazin der Bibliothek geschickt – dort werden wir höchstwahrscheinlich auch für den Rest des Sommers arbeiten.

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